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Kirchen / Bildung / 19.04.10 / Angela Merkel

Gleiche Bildungschancen für alle

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für gleiche Bildungschancen für alle Kinder ausgesprochen. „Wir müssen es schaffen, dass der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildung aufgebrochen wird“, sagte Merkel bei einem Festakt zum 450. Todestag des Reformators Philipp Melanchthon in der Schlosskirche in Wittenberg. Aus dem Wirken Melanchthons ergebe sich der Auftrag, den Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildung aufzubrechen. Gute Bildung sei der „entscheidende Schlüssel zu Selbstvertrauen und persönlichem Erfolg – auch im 21. Jahrhundert“.

Der Reformator Philipp Melanchthon (1497-1560) war ein enger Freund und Mitstreiter von Martin Luther (1483-1546). An dessen Seite wurde der Universitätsprofessor im 16. Jahrhundert zu einer treibenden Kraft der Reformation in Europa.

„Die Reformation hat von hier aus die Welt für immer verändert“, sagte die Bundeskanzlerin vor rund 400 Gästen, darunter Vertreter der Kirchen aus dem In- und Ausland. Sie würdigte Melanchthon als „großen Deutschen“: Mit seinen Schulgründungen und Studienreformen habe er wichtige Reformen angestoßen. Melanchthon habe in der Bildung die wichtigste Grundlage für alle Lebensbereiche gesehen. So sollte jedes Kind eine elementare Bildung erhalten – und zwar unabhängig vom sozialen Stand.

Vor dem Hintergrund der derzeit diskutierten Verfehlungen von Pädagogen an Schulen, Internaten und Kinderheimen forderte Merkel eine schonungslose und offene Aufklärung. „Da sind Konsequenzen zu ziehen“, bekräftigte die Bundeskanzlerin. Vorsorge gegen künftigen Missbrauch sei „oberstes Gebot“. Fest stehe aber auch, dass die große Mehrzahl der Pädagogen verantwortungsbewusst arbeite. Sie hätten das Vertrauen der von Schülern und Eltern verdient.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer bezeichnete die Reformation als „ Ereignis von zivilisationsgeschichtlicher Bedeutung“. Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, würdigte Melanchthon als einen „Brückenbauer und Vermittler“, der in erstaunlichem Maß frei von dem damals wie heute verbreiteten Drang gewesen sei, den anderen zu übertrumpfen. „Melanchthon und Luther bildeten gewissermaßen die Doppelspitze der kirchlichen Bewegung, die von Wittenberg ausging“, fügte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hinzu.

Der Überlieferung nach hat Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche geschlagen. Dies gilt als Beginn der weltweiten Reformation der Kirche. „Insgesamt aber ging es im Bewusstsein der Handelnden vor allem um eine Erneuerung und nicht um eine Spaltung der Kirche“, sagte Müller, der Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Mehr zum Thema

  • Die Rede von Bundeskanzlerin Merkel im Wortlaut. (PDF, 23,62KB)

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