Auf der Kernfusion ruhen große Hoffnungen
Die Kernfusion ist nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein möglicher Schlüssel zur Lösung der Energieprobleme. Bei einem Besuch im Greifswalder Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) informierte sie sich deshalb ausführlich über den Stand der Vorbereitungen des künftigen Kernfusionsexperiments „Wendelstein 7-X“. In Begleitung der leitenden Wissenschaftler besichtigte die Regierungschefin unter anderem die Versuchshalle, in der gegenwärtig die weltweit größte Forschungsanlage des sogenannten Stellerator-Typs entsteht.
Auf der Kernfusion ruhten große Hoffnungen, betonte Merkel. Sie könne zu einem zukunftsträchtigen Energielieferanten werden und den steigenden Strombedarf decken. Zwar sei die Fusionsforschung derzeit noch Grundlagenforschung ohne Gewissheit auf Erfolg, aber es wäre fatal, die Möglichkeit nicht zu nutzen.
In dem technisch hochkomplexen Plasmagefäß soll später bei Temperaturen von 100 Millionen Grad ein künstliches Plasma erzeugt werden. Nach Angaben von Projektleiter Thomas Klinger wird auf diese Weise die Energiegewinnung durch die Verschmelzung von Atomkernen, ähnlich der Prozesse auf der Sonnenoberfläche, getestet.
Wenn es gelingen würde, den Prozess kontrolliert und wirtschaftlich in einem Reaktor ablaufen zu lassen, wären damit alle Energieprobleme gelöst - umweltfreundlich und zeitlich unbefristet. Klimaschädliches CO2 entstünde nicht. Weltweit forschen Staaten wie die USA, China, Russland, Indien und EU-Mitgliedsländer gemeinsam daran, die Kernfusion nutzbar zu machen. Bis allerdings der erste Reaktor wirtschaftlich arbeitet, können noch fünfzig Jahre vergehen. Dabei ist ein finanzieller Aufwand zu schultern wie bei keinem Forschungsprojekt zuvor. Dennoch ist die Bundeskanzlerin davon überzeugt, dass sich die Investitionen lohnen.
Die rund 380 Millionen Euro kostende Versuchsanlage soll 2014 in Betrieb gehen. Sie gilt als letzte Labortestanlage für die erste industriemäßige Fusionsanlage ITER, die im südfranzösischen Cadarache errichtet wird. Inzwischen seien alle Großkomponenten von Spezialherstellern aus Deutschland, Italien und Großbritannien in Greifswald angeliefert worden, sagte Plasmaphysiker Klinger. Ein Spezialistenteam setze derzeit die Systemteile zu fünf Großmodulen zusammen, aus denen später die ringförmige Testanlage entsteht. Ein erstes fertiges Modul sei bereits auf dem künftigen Maschinensockel installiert worden.
